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Johannes-Christian Rost

Ich bin in einer nicht gerade kleinen Pfarrersfamilie in einem brandenburgischen Dorf in der damaligen DDR aufgewachsen. Das war ein überaus reiches und spannendes Leben zwischen zahllosen Büchern, von denen mich nur die Musik und die schöne Natur meiner Heimat fortlocken konnte. Recht bald habe ich herausbekommen, daß man Bücher auch selbst machen kann und so ist dies bis heute meine Lieblingsbeschäftigung geblieben.

 Von 1975 bis 1981 erhielt ich bei hervorragenden Lehrern an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee meine künstlerische Ausbildung als Graphiker. Dann habe ich sechs Jahre in Ostberlin als freiberuflicher Illustrator gearbeitet. Nachdem unsere Kinder geboren waren und meine Frau und ich vier Jahre beharrlich darauf bestanden hatten, erlaubte uns die DDR 1987 die Ausreise ins Nachbarland.

 Als meine Frau eine Stelle als Musikerin in Stuttgart erhielt, sind wir hier gelandet. Seitdem werde ich von vielen Verlagen und Agenturen in Stuttgart, Frankfurt, München und anderen Orten mit der Anfertigung von Illustrationen beauftragt. Am liebsten mache ich Zeichnungen, die dem Betrachter Einblicke ins Innere komplexer natürlicher oder technischer Vorgänge vermitteln. Egal, ob es sich um geologische Prozesse, die Metamorphose eines Farns, die Funktion einer Biogasanlage, die Arbeitsschritte beim Vermehren von Pflanzen oder beim Einsetzen einer künstlichen Herzklappe handelt - ich ruhe nicht eher, bis ich das Thema völlig verstehe und dann möchte ich mit der Darstellung die Begeisterung über meine gewonnenen Erkenntnisse weitergeben.

 Immer wieder mal setze ich auch meine alte Radierpresse in Gang, damit sichtbar wird, welche Bilder Einsamkeit, Beklommenheit, auch Wut über den sinnlosen Lärm unserer Wachstumsgesellschaft in meinem Kopf entstehen lassen. Weil ich meistens viele Stunden des Tages allein an meinem Arbeitstisch verbringe, gehe ich ein, zweimal die Woche abends zur Chorprobe und treffe Menschen, die sich mit Hingabe und Können der Musik widmen.

 Aber jeden Sommer lockt mich die Stille und endlose Weite Schwedens und der norwegischen Tundra und ich entfliehe dem feindseligen Brodeln der städtischen Ballungsräume. Dann fühle ich im Anblick des Nördlichen Eismeeres meine Energien zurückfließen und weiß von neuem, worauf es im Leben ankommt.
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